SIMON McBRIDE | PLÖTZLICH DEEP PURPLE
Foto: Franz Schepers und Agentur

Interview: David Wienand

Fotos: Franz Schepers und Agentur

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SIMON McBRIDE | PLÖTZLICH DEEP PURPLE

Weil der bisherige und langjährige Deep Purple-Gitarrist Steve Morse die sehr verständliche und lobenswerte, wenn auch schwere Entscheidung getroffen hat, sich fortan um seine an Krebs erkrankte Frau zu kümmern, steht plötzlich der Gitarrist Simon McBride, der zufällig gerade sein viertes Studio-Album »The Fighter« veröffentlicht hat, an der Stelle, an der zuvor Steve Morse, Tommy Bolin, Ritchie Blackmore und für eine kurze Zeit auch Joe Satriani standen. Mit Deep Purple tritt er am 2. November in der Rudolf-Weber-Arena in Oberhausen auf. Zuvor nutzte David Wienand die Gelegenheit, dem „Neuen“ bei Deep Purple vor seinem Besuch im Revier auf den Zahn zu fühlen.

Simon, »The Fighter« ist zwar bereits dein viertes Studio- Album, aber man hat das Gefühl, dass du selbst dieses neue Album als dein erstes echtes Album betrachtest.
Ja, da ist etwas dran. »The Fighter« bedeutet für mich einen Neustart, weil ich zum ersten Mal alle Freiheiten hatte, das umzusetzen, was mir musikalisch wirklich am Herzen lag. Das letzte, dritte Studio-Album ist ja auch schon vor zehn Jahren erschienen und mittlerweile hat sich bei mir einiges verändert. So gibt es etwa eine neue Plattenfirma, die auch hinter mir steht. Und ich habe neue Songs geschrieben, in denen ich alle meine musikalischen Einflüsse verarbeiten konnte.

Welche musikalischen Einflüsse sind es denn, die dich als Musiker und Gitarristen besonders geprägt haben?
Natürlich in erster Linie Gitarristen wie Steve Vai und Joe Satriani, aber auch Bands wie Free oder die Rockmusik der 1980-er Jahre: Bon Jovi, Mötley Crüe, um nur einige Beispiele zu nennen.

Im Gegensatz zu einem Gitarren-Virtuosen wie Steve Vai zeichnet dich aber aus, dass du weniger einen Song um ein Gitarren-Solo herum schreibst, sondern genau das Gegenteil: Erst kommt der Song und dann das Solo oder die Soli in den Momenten, an denen sie dir wichtig und passend erscheinen.
Es ist richtig, dass sich zum Beispiel Steve Vais und meine Songs unterscheiden, weil wir einfach verschiedene Vorstellungen von und Herangehensweisen an Songs haben. Ich schreibe viele meiner Songs mit einem guten Freund zusammen, der mit Gitarren gar nichts zu tun, aber ein sehr gutes Song-Gefühl hat. Sein und mein Fokus liegen darauf, alles einfach zu halten, nicht aus- oder abschweifend zu werden. Das Augenmerk liegt auf dem Song. Wenn der steht, dürfen dann gerne auch die Gitarren-Soli sein, obwohl ich manchmal beinahe lieber die Rhythmus-Gitarre spiele anstatt Soli.

Dein neues Album nennst du »The Fighter« und auch ein Song trägt diesen Titel. Wie viel Kämpfer steckt in Simon McBride?
Eigentlich hat der Song zunächst einmal wenig mit mir zu tun, sondern mit einem Kick-Boxer, von dem der Song handelt. Aber klar, steckt auch ein Kämpfer in mir, wenn es darum geht, die Dinge zu verwirklichen, die ich mir vorgenommen habe. Da investiere ich dann meine ganze Kraft und Energie und halte erst still, wenn ich mein Ziel erreicht habe. Das neue Album so wie es ist, zum Beispiel.

Du hast dich auch mal nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch mit Rockmusik beschäftigt, als Dozent am BIMM-Musikinstitut in Dublin. Gehst du dieser Tätigkeit auch heute noch nach?
Nein, leider fehlt mir dafür einfach die Zeit. Es hat mir aber sehr viel Freude bereitet, mit musik-begeisterten jungen Menschen über Musik und Technik zu diskutieren und ihnen bei ihren unterschiedlichen musikalischen Vorhaben behilflich sein zu können. Ein bisschen vermisse ich das heute.

Wann ist dir zum ersten Mal einer deiner aktuellen musikalischen Mitstreiter von Deep Purple über den Weg gelaufen?
Das war Don Airey (der aktuelle Deep Purple-Keyboarder und Nachfolger von Jon Lord, dem 2002 verstorbenen Tastenmann und Mitbegründer der Band; Anm. d. Red.) auf dem von ihm initiierten Rock und Blues-Festival in seinem Heimatort Gransden, zu dem er mich eingeladen hat. 2011 und 2013 habe ich da gespielt. Später lernte ich auch Ian Gillan kennen und spielte dann in seiner Band. Die Bekanntschaft mit Roger Glover machte ich kurz danach. Das alles hat wohl letztendlich dazu geführt, dass ich ins Spiel kam, als sich abzeichnete, dass Steve Morse erst befristet und dann ganz aus der Band ausscheiden wollte.

Welchem der bisherigen, allesamt herausragenden Deep- Purple-Gitarristen Ritchie Blackmore, Tommy Bolin, Joe Satriani und Steve Morse fühlst du dich musikalisch am engsten verbunden?
Ganz klar Joe Satriani, obwohl der ja nur ganz kurz und auch lediglich als Tournee-Gitarrist von 1993 bis 1994 dabei war. Wie zuvor schon erwähnt, zähle ich ihn zu meinen größten Einflüssen, und auch ist er ein Musiker, dem, genauso wie mir, sehr viel am Song und erst in zweiter Linie am Gitarren-Solo liegt.

Kannst du uns schon verraten, ob du der nächste Mann an der Gitarre bei Deep Purple nach Steve Morse sein wirst?
Nun, zunächst einmal bin ich für die gesamte Tour von Deep Purple gebucht. Im Frühjahr 2023 will die Band eine Entscheidung treffen. So lange werden eure Leser, die Fans von Deep Purple und wohl auch ich noch Geduld aufbringen müssen.

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