bochum macht spaß
Foto: Thomas Matiszik

THOMAS MATISZIK | SCHON BALD EIN STAR?

Text: Oliver Bartkowski
Foto: Thomas Matiszik

Foto: THOMAS MATISZIK | SCHON BALD EIN STAR?

2019 sind in Deutschland sagenhafte 70.400 neue Buchtitel erschienen. Da fragt man sich zu Recht, wer soll das alles lesen? Ein Autor, der auf dem Markt noch relativ frisch ist und gerade sein drittes Buch veröffentlicht hat, ist Thomas Matiszik. Die Erzählweise des in Recklinghausen geborenen Autoren ist so frisch und innovativ, dass sein aktueller Titel „Totkehlchen“ aus der Vielzahl, der jeden Monat neu veröffentlichten Kriminalromane, definitiv herausragt. Der Mann hat echte Chancen durchzustarten, wenn die Zeichen gut stehen und ein etablierter Verlag dafür alles investiert, was ein Newcomer in diesen Zeiten benötigt: Aufmerksamkeit! Von uns bekommt Thomas Matiszik davon in dieser Ausgabe eine ganze Menge und wir trafen den Autor zum persönlichen Gespräch.

Wann hat Sie das Schreiben gepackt, Herr Matiszik?
Das war Ende 2013 in den Weihnachtsferien. Rückblickend betrachtet kann es sein, dass die besinnliche Vorweihnachtszeit der Grund dafür war, eine Figur wie KARLCHEN zu erfinden, quasi als Gegenentwurf zu „Stille Nacht, heilige Nacht“. Jedenfalls stand in dem Moment, als ich mich hinsetzte und drauflos schrieb fest, dass mein Protagonist so böse wie nur irgend möglich sein sollte, einer, den man(n) und Frau gleichermaßen verabscheuen würden. Erstaunlicherweise wusste ich bereits nach den ersten zwanzig Seiten, dass zumindest Letzteres nicht eintreten würde. Meine Frau, ihres Zeichens passionierte Krimileserin, war fasziniert von Karl Ressler und motivierte mich dazu, weiterzuschreiben und sie ist bis heute nicht die einzige Frau, die sich wünscht, dass Karl Ressler irgendwann wieder auftaucht. „Die Faszination des Bösen“ nennt man das wohl. So ging es mir mit Hannibal Lecter auch...

Sie sind in Recklinghausen geboren und arbeiten in Bochum als Konzertagent. Ihr Buch „Totkehlchen“ spielt in Dortmund. Man merkt ihrem dritten Buch den Charme des Kohlenpotts an, was ich übrigens sehr erfrischend finde. Wie wichtig ist ihnen dieser Ruhrpott-Akzent in ihren Büchern?
Ich arbeite als Freelancer, unter anderem auch in Bochum, das ist richtig. Mein Kommissar Peer Modrich wurde damals, als KARLCHEN erschien, in der WamS mit Schimanski verglichen. Auch WDR 4 zog diesen Vergleich. Das hat mich extrem geehrt, weil ich zum Einen großer Fan von Götz George, aber eben auch ein 100%-iges Kind des Ruhrpotts bin. Peer Modrich ist allerdings aus meiner Sicht eine Art Weiterentwicklung des legendären Kommissars Schimanski und Modrich ist kein Freund von Schlägereien, aber eben auch ein Ruhrpott-Original. Mir geht es aber nicht ausschließlich darum, dass meine Romane als Ruhrpott-Literatur angesehen werden, denn im Grunde können sie überall auf der Welt spielen. Viel wichtiger ist es, dass die Figuren sehr authentisch rüberkommen.

Es ist in Krimis Mode geworden, dass eine Figur als Kommissar etabliert wird und diese dann ermittelt, bis sie umfällt, siehe Donna Leon und andere. Auch bei ihnen gibt es diese Figur. Es ist Modrichs dritter Fall. Halten Sie sich gerne an Erfolgskonzepte oder werden Sie auch mal etwas Anderes ausprobieren?
Ich probiere nicht nur etwas Anderes aus, ich habe es schon fertig. Mein neues Buch wird der Beginn einer neuen Krimireihe sein, dieses Mal mit einer Ermittlerin. Mehr kann und darf ich noch nicht verraten…außer vielleicht den Titel: SELBST IST DER TOD! Die Modrich-Reihe ist mit dem dritten Teil vorübergehend beendet.

Auffällig ist dieser köstliche, schwarze Humor und die Härte des Buches. Der Direktor des Dortmunder Zoos wird geköpft und der Vater eines Transvestiten stirbt. Toll! Hat sich der Dortmunder Zoo mal dazu geäußert?
Nicht nur das. Frank Brandstätter, der aktuelle Direktor des Zoos Dortmund, hat mich, nachdem er Totkehlchen gelesen hatte, zu einer Lesung in seinen Zoo eingeladen. Ich durfte unmittelbar neben dem Giraffengehege lesen, was natürlich ein besonderer Moment für mich war. Diese besondere Szene habe ich natürlich vorgelesen, er nahm es mit Humor und wusste zu berichten, dass auch er schon einmal mit illegalem Tierhandel zu tun hatte.

Genauso wie Sie, bin auch ich ein riesiger Fan der Literatur von Stephen King. Die 80-er Jahre wurden ja quasi durch Stephen King bestimmt. Was ist für Sie das Besondere an Stephen King und welches Buch hat Sie damals besonders begeistert?
Stephen King schafft es, wie kaum ein zweiter Autor, Spannung zu kreieren. Davon kann man nur lernen. Auch der immer wiederkehrende Kampf zwischen Gut und Böse ist ein vorherrschendes Motiv bei King, das er meisterhaft beherrscht. Am meisten hat mich tatsächlich DAS LETZTE GEFECHT in seinen Bann gezogen. Ein Roman, der ja gerade wieder sehr in die Zeit passt...

Wann können wir Sie mal live bei einer Lesung in Bochum oder in der Umgebung erleben?
Aktuell gibt es da keine konkreten Pläne. Mein Keyboarder und ich haben aber noch ein paar Termine frei und würden uns über eine Einladung sehr freuen.

 

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