FESTIVAL SAISON 2025 | BOCHUM BIETET VIEL
Foto: Imago / VfL Bochum 1848
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Text: David Wienand

Fotos: Imago / VfL Bochum 1848

TIMO HORN | DER FELS IN DER VFL BRANDUNG

Selbst in den Wochen - mögen sie fortan vergangen und vergessen sein! -, in denen es dem VfL so gut wie nie gelang, auch nur ansatzweise fußballerisch zu überzeugen, gab es immerhin eine Konstante im Team von der Castroper Straße, die zu verhindern versuchte und auch oft wusste, dass es mit der Mannschaft noch weiter abwärts in der Tabelle ging. Die Rede ist von unserem Keeper Timo Horn. Der gebürtige Kölner und langjährigen Torhüter des 1. FC ließ sich zu einem Gespräch mit David Wienand nicht lange bitten.

Timo, bist du mittlerweile schon in Bochum heimisch geworden bzw. kennst dich in der Stadt schon ein bisschen aus?
Es ist ja bekannt, dass ich als Kölner auch dort ansässig bin. Meine Familie ist im Laufe der letzten Jahre größer geworden und meine Frau und die Kinder fühlen sich dort richtig wohl. Die Entfernung zwischen Köln und Bochum ist keine unzumutbare Distanz, insofern pendle ich oft. Ab und zu, wenn der Trainings- oder Spielplan es erfordern, übernachte ich aber auch in Bochum. Und insofern ist mir die Stadt durchaus schon vertraut.

Vom Müngersdorfer Stadion - über einen kurzen Abstecher nach Salzburg - bist du ins Vonovia Ruhrstadion gewechselt. Was hat die eine Arena, das die andere nicht hat?
Drei unterschiedliche Standorte mit unterschiedlicher Fan- Temperatur – wenn man die Stimmung in Deutschland und Österreich miteinander vergleicht. Die Fans in Salzburg können zwar auch laut sein, aber es ist kein Vergleich zur Stimmung in Köln oder Bochum. Daran erkennt man die Wucht von Traditionsvereinen. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Stadien vom VfL und vom FC regelmäßig in den Umfragen ganz weit vorne landen, wenn es um die beste Stimmung geht. Das Vonovia Ruhrstadion ist richtig „englisch“, eng und laut. Das Rhein-Energie-Stadion hat im Vergleich zum alten Müngersdorfer Stadion durch das direkte Heranrücken ans Spielfeld, ohne Laufbahn dazwischen, auch an Flair gewonnen – und ist durch die Leuchtmasten an den Ecken auch ein echter Hingucker geworden. Wobei die Flutlichtmasten in Bochum das ursprüngliche Fußballgefühl noch ein bisschen mehr transportieren – bei Abendspielen ist im Grunde genommen die halbe City mit ausgeleuchtet.

In Zeiten der Unruhe beim VfL, ein neuer Vorstand wurde gewählt, Trainer u. Sportvorstand kamen und gingen wieder, bist du zu diesem Verein gewechselt. Wie hast du das wahrgenommen und wie gehst du damit um?
Als ich beim VfL angefangen habe, war es gar nicht so unruhig. Natürlich kam durch die frühe Freistellung von Peter Zeidler und Marc Lettau mehr Fahrt rein, aber die sportliche Bilanz zu jenem Zeitpunkt war auch nicht gut. Mit Dieter Hecking haben wir dann zwar den Anschluss zu den Nichtabstiegsplätzen herstellen können, am Ende hat es aber leider nicht gereicht. Dass es nach einem Abstieg in Traditionsvereinen selten ruhig bleibt, kenne ich aus meiner Kölner Zeit. Die Unruhe rund um den VfL ging natürlich nicht spurlos an der Mannschaft vorbei, sie hat allerdings erst nach der Auftaktniederlage in Darmstadt ihre ganze Wucht entfaltet. Da konnten selbst die zwei Siege im Anschluss das Umfeld nicht befrieden. Der Rest ist bekannt, bis hin zu der sportlichen Wiederauferstehung seitdem Uwe Rösler an Bord ist. Wir wollen alles daransetzen, dass wir weiterhin fokussiert bleiben und zusehen, dass der VfL möglichst schnell die unteren Tabellenregionen verlässt.

Du hast sicherlich schon gemerkt, dass du mittlerweile zu einem Fan-Liebling geworden bist. Hast du dir vorstellen können, dass das so schnell passiert?
Ich weiß, dass es im Fußball immer ganz schnell gehen kann – in die eine oder andere Richtung. Insofern kann ich das gut einordnen. Wir wissen, dass wir die Fans brauchen, dass sie uns pushen können, gerade in den Heimspielen. Aber auch auswärts ist der VfL inzwischen zahlenmäßig richtig gut unterwegs und der Support erstligareif. Es liegt an uns, die positive Stimmung zu erhalten. Am Ende dürfte allen klar sein: Es geht nur gemeinsam.

Worin, deiner Einschätzung nach, liegt besonders dein Anteil daran, dass es nach den Siegen gegen Berlin, Augsburg, Magdeburg und Braunschweig, mit der Mannschaft wieder aufwärts geht?
Meine Leistung sollen andere beurteilen. Ich probiere einfach, der Mannschaft nach besten Kräften zu helfen. Und wenn ich – gemeinsam mit meinen Vorderleuten – die Null festhalten kann oder wir gewinnen, mindestens aber punkten, dann ist alles okay.

Wagst du bereits jetzt einen prophetischen Blick auf das Ende der Saison und darauf, wo du den VfL in der Tabelle siehst?
Auf jeden Fall in sicherer Distanz zu den Plätzen, in deren Umfeld wir uns momentan bewegen. Wir haben eine gute Mannschaft und wollen alle gemeinsam erfolgreich sein. Und ein weiterer Blick in die Zukunft, nämlich deine persönliche bzw. sportliche: Kannst du dir vorstellen, deine Karriere beim VfL länger fortzusetzen oder gar zu beenden? Wir tun alle gut daran, zunächst den Fokus darauf zu legen, mit dem VfL eine erfolgreiche Saison zu spielen. Und erfolgreich heißt aus der aktuellen Perspektive: Nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Wenn der passende Zeitpunkt gekommen ist, werde ich mich dann mit meiner persönlichen Situation auseinandersetzen. Mein Vertrag läuft aber noch eine Weile, der VfL ist dann mein erster Ansprechpartner.