SABINE REICH | NEUE LEITUNG IM PRINZ REGENT THEATER
SABINE REICH | NEUE LEITUNG IM PRINZ REGENT THEATER
„Neue Verbindungen eingehen“ und „Ausgrenzungen überwinden“, diese ehrgeizigen Ziele hat sich Sabine Reich, die neue Herrin des Prinz-Regent-Theaters, kurz PRT, gesetzt. Im Gespräch mit Bochum macht Spaß stellt die neue Intendantin seit der aktuellen Spielzeit 2025/2026 ausführlich dar, wie sie sich als die konkrete Umsetzung der hehren Absichten neben und auf der Bühne vorstellt.
Frau Reich, haben Sie sich bereits während Ihres Studiums der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an der Ruhr- Universität-Bochum vorstellen können oder wollen, einmal die künstlerische Leitung des Prinz-Regent-Theaters zu übernehmen?
Nein, überhaupt nicht! Am PRT durfte ich meine erste Bühnenarbeit als Dramatrugin betreuen, das war aufregend und toll, aber niemals hätte ich damals gedacht, dass ich überhaupt jemals ein Theater leiten würde.
Zuletzt waren Sie am Schauspiel Dortmund tätig, davor aber auch am Bochumer Schauspielhaus, in Essen, an der Wiener Burg, in Berlin und sogar New York. Und nun wieder Bochum. Was hat Sie an der neuen Aufgabe an der Prinz-Regent- Straße besonders gereizt?
Das PRT ist ein kleines Theater mit sehr großen Möglichkeiten: Hier können wir vieles erproben, das an den großen Häusern nur schwer möglich ist. Ich wünsche mir das PRT als Labor, in dem wir viele Spielformen des Theaters ausprobieren und vor allem neue Verbindungen mit der Stadt eingehen.
Ich möchte das Theater der Stadt zur Verfügung stellen und es für viele verschiedene Begegnungen öffnen. Hier sollen viele verschiedene Menschen sich wohl fühlen und neue Erfahrungen machen.XXXXX Welche Erfahrungen und auch Visionen nehmen Sie aus Ihren vorherigen Tätigkeiten mit in Ihre neue Aufgabe?
Ich durfte Erfahrungen mit sehr vielen Theaterformen sammeln aber vor allem hat mich immer die Frage beschäftigt: Wer kommt ins Theater und wer nicht? Wen erreichen wir und wer spricht im Theater? Wie können wir die Theater wirlich öffnen und Kunst für und mit allen machen? Aber auch die Erfahrungen der Kulturhauptstadt haben mich geprägt; damit meine ich die Erfahrung, wie wichtig Kunst in sozialökonomischen Krisen und Transformationen ist.
Wie explizit äußert sich das in dem erstmals von Ihnen verantworteten Programm des Prinz-Regent-Theaters für die neue Spielzeit?
Im PRT versuchen wir, eine neue „Kunst des Gemeinsamen“ zu schaffen, in der Begegnung und Austausch wichtig ist. Und für uns sind alle Kunstformen gleich wichtig; wir unterscheiden nicht zwischen Unterhaltung und Kunst, denn das gehört doch beides eng zusammen.
Was konkret hat man sich denn unter der Bochumer Bürger- *innenBühne vorzustellen?
In der Bürger*innenBühne stehen Menschen aus Bochum auf der Bühne, nicht ausgebildete Schauspieler*innen, sondern Bürger*innen, die ihre eigenen Geschichten erzählen. Dabei geht es nicht darum, dass sie zu Schauspieler*innen werden, sondern dass wir eine Form finden, in der sie ihre eigenen Perspektiven und Ausdrucksformen finden.
Als erstes Stück aus dieser Reihe hat »Zeitverschiebung« Premiere gehabt, wird aber auch im Laufe dieses Jahres noch mehrere Male aufgeführt. Worum geht es?
Bei diesem Stück erinnern sich sechs Menschen aus Bochum an wichtige Momente in ihrem Leben und reisen mit uns durch die Zeit, durch ihre Geschichte. Das ist sehr unterhaltsam und persönlich.
Auch der Bochumer »Alleestraße« widmet sich das Prinz- Regent-Theater sogar in mehreren Folgen. Was erwartet die Zuschauer in diesem Stück?
Das ist wirklich ein spannendes Experiment, denn wir bringen die Form der Serie auf die Bühne. Wir erzählen jeden Monat eine neue Episode von vier sehr unterschiedlichen Charakteren, die sich in einer fast geschlossenen Kneipe in der Alleestraße begegnen. In der ersten Folge haben wir die Charaktere das erste Mal kennengelernt, nun werden wir sehen, was ihnen in Folge passiert. Wir schreiben von Monat zu Monat eine neue Folge und lassen und uns überraschen, wo die Reise hingeht. Auf jeden Fall wird die reale Alleestraße eine Hauptrolle in der Serie spielen.
Während sich das Schauspielhaus immer noch mit dem Vorwurf der Verkopftheit und Entfremdung von seinem Publikum auseinandersetzen muss, scheinen Sie mit Ihrem Programm auf die Stadtgesellschaft zuzugehen. Eine sehr bewusste Entscheidung und Abgrenzung?
Keine Abrenzung zum Schauspielhaus, aber auf jeden Fall eine bewusste Entscheidung. Wir können als Theater und als Gesellschaft nur überleben, wenn wir alle neue Verbindungen eingehen und die Ausgrenzungen überwinden.